WILLKOMMEN DIABETES-BUDDY


Seit meiner Diagnose im September 2014, war ich immer die einzige mit der Krankheit. Niemand in meiner Familie oder im Freundeskreis hatte das gleiche. Ich hatte niemanden, mit dem ich mich diesbezüglich einfach mal austauschen konnte... Doch dies hat sich überraschend geändert!



ZUNÄCHST ALLEINE

Die meisten Typ1 Diabetiker wachsen seit den ersten Lebensjahren mit der Krankheit auf und kennen es nicht anders. Für die, die die Krankheit erst später im Leben bekommen, ist es eher schwerer damit umzugehen und ist meistens eine komplette Lebensumstellung. Da Typ1 Diabetes in den meisten Fällen vererbt wird, haben die Menschen die den Diabetes erst später bekommen, meistens einen Ansprechpartner in der Familie und sind schon mit der Krankheit vertraut. Desto schwieriger wird es, wenn man die Diagnose erst viel später bekommt und zudem niemanden in der Familie hat, der daran erkrankt ist (was eher seltener ist) - genau das war bei mir der Fall. 

Ich hatte niemanden der all' das nachempfinden konnte, was ich empfand. Es haben sich zwar alle bemüht sich in mich hinein zu versetzen und hatten immer Verständnis für mich und meine Launen - jedoch gab es niemanden der es zu 100% nachempfinden konnte, was der Körper und die Psyche durchmacht. Ich suchte somit im Internet nach Leuten, die dass gleiche wie ich fühlten und mit denen man sich austauschen konnte. Ich fand in vielen Blogs Rat und auch seit dem ich mit meinen Blog gestartet habe, konnte ich viele Erfahrungen mit anderen Diabetikern austauschen. Jedoch ist es ein Unterschied, sich per Social Media auszutauschen oder persönlich mit einer Person in einem Café zu sitzen.
Ich fühlte mich dennoch allein!




HALLO DIABETES-BUDDY


Vor einigen Wochen schrieb ich mit einem Freund aus der Berufsschule. Er erzählte mir, dass er momentan im Krankenhaus sei. Auf meine Frage: "Wieso?" bekam ich die Antwort, das bei Ihm Typ1 Diabetes diagnostiziert wurde. Ich war Sprachlos! Meine Reaktion war vielleicht nicht die "Feine Englische Art" (vielleicht war die Reaktion auch dem zu verdanken, dass ich in dem Moment auf einem Abiball war und schon ein paar Sektgläser hinter mir hatte) - ich wusste einfach nicht was ich sagen, geschweige denn wie ich Reagieren sollte. 

Ich konnte es nicht glauben. Ich wusste nicht ob ich für ihn traurig sein oder ich mich ein bisschen für mich freuen sollte, jemanden gleichgesinnten nun in meinem Freundeskreis zu haben

Ich wollte direkt für ihn da sein - am liebsten wäre ich direkt aufgesprungen und noch zu ihm ins Krankenhaus gefahren und hätte ihm alles gezeigt.

Am nächsten Tag habe ich ihm erstmal direkt eine Notfallbox gekauft. Genau die gleiche die Ich auch habe (nur in grün) und habe sie ihm entsprechend auch gleich gefüllt. Er hat sich sehr darüber gefreut. 
Zum Post zur Notfallbox kommst Du (hier).




ZUSAMMEN IST MAN STARK

Es ist ein schönes Gefühl, damit nicht mehr alleine zu sein - jemanden zu haben, mit dem man gerne darüber redet, der einen verstehen kann und für den man einen Ansprechpartner sein kann.

In den ersten Tagen haben wir uns viel über das Thema unterhalten - ich habe ihm viele Tipps gegeben. Ich wollte Ihn bestmöglich auf alles vorbereiten - wahrscheinlich war das auch ein bisschen zu viel von mir. Aber ich wollte für ihn die Stütze sein, die ich nicht hatte - bestmöglich eine Person sein, die ihn auf alles vorbereitet - eine Person, zu der er mit allen Fragen ankommt.

Zur Zeit bin ich eher die "Diabetes-Mama" - die, die immer aufpasst, ob er auch immer schön spritzt und während des Sportunterrichts misst. Zur Zeit ist er noch in der Phase, in der er den Diabetes noch nicht so an sich heran lässt - ich vermute, weil er noch nicht realisiert hat, dass ihn die Krankheit für den Rest seines Lebens begleiten wird - und das ist OK! Ich selber musste sogar am Anfang lernen, ihn nicht gleich zu überfallen und verrückt zu machen. Viele von uns wollten die Krankheit doch am Anfang auch nicht wirklich ernst nehmen und realisieren.
Nach 3 Jahren mit Diabetes habe ich schon eine Menge an Erfahrung sammeln können und weiß in den meisten Fällen was auf mich zukommt. Er dagegen noch nicht - er muss sich noch mit der Krankheit vertraut machen und ein Gefühl dafür entwickeln - und das muss man akzeptieren - jeder hat dabei sein ganz eigenes Tempo!


Früher war ich die Person, die von allen anderen genervt war, wenn sie mich immer wieder darauf hingewiesen haben, welche Ausmaße meine schlecht überlegten Handlungen haben werden - heute bin ICH diese Person, von der mein Freund genervt ist.

Er hat noch nicht das große Interesse daran entwickelt, sich mit der Krankheit auseinander zu setzten. Am liebsten würde ich ihn mit Informationen bombardieren und mit ihm zu all möglichen Veranstaltungen und Messen gehen. Vielleicht kommt das noch oder auch nicht. Aber egal wie es sich entwickeln wird, ich werde es akzeptieren, weil jeder anders mit der Krankheit umgeht und auch jeder einen anderen Weg findet, sich mit der Krankheit auseinander zu setzen. Ich kann nicht verlangen, dass er bei dem Thema ein genau so großen Interesse entwickelt wie ich. Aber wen er fragen hat oder das Bedürfnis hat darüber zu sprechen, bin ich immer froh, dass er mich da anspricht und ich ihm weiterhelfen kann. Denn ich weiß wie es damals für mich war - ich bin irgendwann in ein tiefes Loch gefallen und wusste nicht mehr weiter - und noch hoffe ich, dass ich ihm diese Erfahrung ersparen kann.

Ich bin immer noch fasziniert davon, wie einen Krankheiten zusammen schweißen können und das man sich dadurch schnell vertraut fühlt. Wir waren vorher schon Freunde, aber jetzt haben wir eine Freundschaft auf einer ganz anderen Basis - und darüber freue ich mich sehr. Ich bin froh, dass falls etwas passieren sollte, er gleich eine Reihe vor mir sitzt und er auch weiß wie in Notsituationen reagiert werden muss - oder wenn man auf einmal Unterzuckers und ganz hubbelig wird, weiß ich, dass er es nachvollziehen kann.

Momente in denen der eine zu dem anderen kommt und fragt, ob er heute sein Insulin verwenden darf, weil er sein eigenes vergessen hat, sind Momente die ich genieße, weil ich weiß ich bin nicht mehr alleine - wir sind jetzt 2! Nicht nur ich bekomme mehr die Extrawürstchen und alle gucken mich an - Nein, wir sind jetzt damit zu 2! Nicht mehr ich werde komisch angeguckt, weil ich mit mein Insulin in der Cafeteria spritze - Nein, wir sind jetzt zu 2 und dadurch fühlt es sich normal an. 


1 Kommentar:

  1. Oh, dass ist einerseits natürlich schrecklich für deinen Bekannten, andererseits kann ich total verstehen was in dir vorgeht! Das gefühl kenne ich auch, und ich kann das zwischen den Zeilen "fühlen", wie es dir damit geht. Selbst wenn man den Jenigen garnicht so gut kennt, auf einmal fühlt man sich einfach verbunden. Aber du hast ja auch richtig bemerkt, dass nicht jeder dieses Interesse an Kommunikation, Austausch und Technik hat. Gerade wenn der diabetes erst eine kurze Zeit im Leben steht, habe ich auch schon gemerkt, dass diese Menschen das ganze irgendwie wie aus der Entfernung betrachten und noch nicht wirklich das (notwendige?) Interesse zeigen möchten. Trotzdem ist es glaube ich für Ihn auch eine Tolle und bereichernde Erfahrung, dass du für ihn da bist, und er an dir sieht, wie das Diabetesmanagement klappen kann;)

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